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Bio-Region-Niederrhein e.V.
Heinrich Hannnen
Neu-Lammertzhof
41564 Kaarst
© Copyright – Bio-Region-Niederrhein e.V.
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Ende der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre begannen am Niederrhein einige Bauern und Bäuerinnen mit der Umstellung ihrer Betriebe auf biologischen Anbau. Motivierend war nicht nur der (betriebswirtschaftliche) Druck, ihre Betriebe immer mehr den oft fragwürdigen Methoden eines »modernen« konventionellen Anbaus anzupassen. Auch äußere Anstöße, wie erhöhte Nitratwerte im Grundwasser, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln, die eigene Gefährdung durch den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln oder das Problem der Ernährung der Weltbevölkerung und unser wenig daran angepasster Fleisch- und Lebensmittelkonsum, drängten zum Umdenken. Ebenso der Umgang mit den Tieren, die wenig artgerechte Haltung, trug sein Übriges dazu bei.
Mit der Einkaufsgenossenschaft ‚Kornkraft‘ in Krefeld hatte sich schon früh ein »Regionalverteiler« mit beachtlichem Umsatz entwickelt. An diesen lieferten viele von uns, waren auch Genossen und teilweise im Aufsichtsrat. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang der Kornkraft – sie fusionierte zunächst mit dem Grünen Netz Essen –, entstanden zwei neue Firmen: ‚Naturkost West‘ in Duisburg und ‚Naturkost Bio-Rhein-Maas‘. Letztere entwickelte sich aus dem Markthandel Peter van Leendert. Zunächst beheimatet in einer Halle des Lammertzhofs in Kaarst, schon bald aber neben dem Holzhof (Straelen) in einer extra gemieteten Halle, wurde diese Firma zu DEM »Frische-Regional-Großhandel« am Niederrhein.
Regional verbreiteten sich auch einige Ideen wie der Beetanbau und das Hühnermobil. Immer wurde kritisch beäugt und gerne kopiert. Oft wurde und wird auch heute noch kooperiert: Futter-Mistkooperationen, Maschinen- und Schlepper-Austausch und -Verleih, auch Arbeitskräfte zum Jäten, Großkisten oder Kühlregale: Es gibt kaum etwas, was nicht schon zwischen den Betrieben verliehen wurde.
Eine hoffentlich unendliche Geschichte, die mit der Gründung der Bio-Region im Jahre 2014 einen weiteren Entwicklungsschritt machte, um die Verbreitung des Biogedankens am Niederrhein zu fördern.
Mit 24 Bio-Höfen vom Niederrhein als Gründungsmitglieder wird der „Verein zur Förderung der Bio-Region-Niederrhein“ offiziell ins Vereinsregister der Stadt Krefeld eingetragen. Der Zweck des Vereins ist die Förderung des Absatzes regionaler Bio-Verbandsware durch die Direktvermarktung von Bio-Verbandsbetrieben am Niederrhein. Der Verein ist uneigennützig tätig und verfolgt keine eigenwirtschaftlichen Zwecke. SATZUNG
Die Haupttätigkeit des Vereins liegt seit je her in der Öffentlichkeitsarbeit. Unsere Landwirte nehmen für ihre Bio-Region-Niederrhein auf zahlreichen Veranstaltungen, Märkten und Festen teil und vermitteln interessierten Menschen den großen Mehrwert von bioregionaler Qualität bei Lebensmitteln. Darüber hinaus werden Verbraucher auf die Höfe eingeladen und Bus-Touren entlang von Wertschöpfungsketten organisiert um größtmögliche Transparenz bezüglich Herkunft und Herstellung von Bio-Lebensmitteln zu bieten.
Das Thema Regionalität hat sich seit geraumer Zeit zum Verkaufsschlager entwickelt. Einerseits erfreulich und unfair dort, wo Regionalität als Vermarktungsstrategie bloß vorgetäuscht wird. Als Antwort darauf hat der Bundesverband der Regionalbewegung in Zusammenarbeit mit verschiedenen Initiativen (u.a. Verbraucherzentrale NRW, NABU NRW und Natur- und Umweltschutzakademie NRW) Qualitätskriterien für glaubwürdige Regionalvermarktung erarbeitet, die in die Auszeichnung „REGIONAL PLUS – fair für Mensch und Natur“ münden. Mit dem Preisgeld wird die Arbeit von Regionalinitiativen unterstützt, die mit Zusatzkriterien – wie Gentechnikfreiheit und Naturschutzleistungen arbeiten und hiermit einen Beitrag zum Natur-, Umwelt- und Klimaschutz leisten, regionale Wirtschaftskreisläufe stärken und zum Strukturerhalt im ländlichen Raum beitragen.
Im Jahr 2014 wurde die Bio-Region-Niederrhein mit dem Preis der Regionalbewegung ausgezeichnet und gliedert sich damit in eine Reihe von Initiativen die in vorbildlicher Weise Regionalität, Umwelt- und Naturschutz sowie Qualitätssicherung verbinden und somit einen wichtigen Beitrag zur Förderung bäuerlicher und nachhaltiger Landbewirtschaftungsformen leisten.
Der Branchenwettbewerb „Regional-Star Award“ wird alljährlich von der „Internationalen Grünen Woche Berlin“ ausgerufen. Gesucht werden die überzeugendsten Konzepte aus Handel, Industrie und Landwirtschaft, die unter nachhaltigen Aspekten (ökonomisch erfolgreich, ökologisch sinnvoll und sozial verantwortlich) die Vermarktung regionaler Produkte voranbringen – und der Branche als Best-Practice-Beispiele und Inspirationsquellen dienen können.
Im Jahr 2016 gewann die Bio-Region-Niederrhein den Regional-Star in der Kategorie Organisation (Regionalvermarktungsorganisationen bzw. Aktionen und Konzepte von absatzfördernden Vereinigungen). Die Bio-Region-Niederrhein überzeugte die Jury mit ihrer konsequenten Vermarktungsstrategie ausschließlich über Direktvermarkter.
Projekt: „Bio-Region-Niederrhein 2.0 – Auf- und Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten für Verbands-Bio-Produkte“
Die Außer-Haus-Verpflegung (AHV) stellt einen vielversprechenden Absatzmarkt für regionale Bio-Lebensmittel dar. Bisher ist der Einsatz von bioregionalen Erzeugnissen in der AHV allerdings verschwindend gering, obwohl u.a. Umwelt, Klima, die menschliche Gesundheit und das Wohl von Nutztieren sowie die Wirtschaft im ländlichen Raum davon profitieren könnten.
Verschiedene Förderprogramme von Bund und Ländern setzen an diesem Thema an; so auch die RiWert-Förderung (Förderung des Aufbaus von Bio-Wertschöpfungsketten: Bundesprogramm). Im Rahmen derer konnte die Bio-Region-Niederrhein für 3 Jahre mit Unterstützung einer Wertschöpfungskettenmanagerin dieses Thema am Niederrhein vorantreiben. Der Fokus des Projekts lag auf dem Aufbau eines Inklusionsbetriebs, in dem Gemüse vom Niederrhein für die Verwendung in Großküchen der AHV vorverarbeitet und konserviert werden soll.
Jan-Paul van Leendert führt seit vielen Jahren den regionalen Großhandelsbetrieb Bio-Rhein-Maas in zweiter Generation. Mit ebenso großer Verbundenheit zu den regionalen Bio-Landwirten, wie sein Vater Peter, bündelt er die Bio-Erzeugnisse vom Niederrhein und vermarktet sie an ausgewählte Wiederverkäufer; insbesondere an direktvermarktende Betriebe in der Region, die somit ein breites, regionales Bio-Sortiment in ihren Hofläden, Marktständen und AboKisten anbieten können.
Darüber hinaus engagiert sich der Großhändler in der Erschließung des AHV-Markts für bioregionale Erzeugnisse. In Zusammenarbeit mit der Bio-Region-Niederrhein und weiteren Initiativen, wie die Öko-Modellregion Niederrhein, wird dazu insbesondere am Aufbau eines Vorverarbeitungsbetriebs für regionales Bio-Gemüse gearbeitet.